Wald(um-)bau im Klimawandel
Klimawandel – welche prognostizierten Klimaänderungen beeinflussen unsere Wälder:
Die Jahresmitteltemperaturen steigen seit Anfang der 1990iger Jahre. Der mittlere Anstieg liegt bei rund 0,5 K/Jahrzehnt. Nach 2000 hat sich der Anstieg sogar noch leicht beschleunigt.
Der Temperaturanstieg verteilt sich ungleich über das Jahr. Hohe Zunahmen liegen im Winter und im Sommer. Bei den Übergangsmonaten fallen die Erwärmungen durch den Wechsel von wärmeren und kühleren Jahren geringer aus.
Die Niederschlagsverteilung über das Jahr verändert sich, weniger Niederschläge im Sommer, mehr Niederschläge (Regen!) im Winter. Starkregenereignisse könnten sich häufen.
Der bisher zu Grunde gelegte Temperaturanstieg bis zum Jahre 2100 ist zum großen Teil bereits jetzt erreicht. Nach dem neueren Bayerischen Klimabericht ist davon auszugehen, dass selbst bei Einhaltung des weltweiten „Pariser Klimazieles“ von + 1,5 K wegen der höheren Erwärmung der Landmassen mit einem weiteren Anstieg von mindestens 1,5 K gegenüber heute zu rechnen ist. Regensburg hat dann die Jahresdurchschnittstemperatur von Norditalien.
Zur Verdeutlichung des Klimawandels wird von der LWF das Modell „analoger Klimaregionen“ genutzt. Auf Bitten des AELF Regensburg wurde dabei im Landkreis Regensburg beispielhaft die entsprechenden Berechnungen durchgeführt, die folgenden Grafiken beziehen sich auf das Gebiet Eichelberg, Stadt Hemau, Höhenlage 600 m:

Quelle: LWF
Nach den Ergebnissen zeigt sich, dass die prognostizierten Klimawerte je nach Szenario deutlich drastischer ausfallen können als bisher angenommen. Die aktuellen Emissionen weltweit liegen aktuell noch über den Szenario RCP 8.5, sodass selbst bei mittelfristigem Wirken der Emissionsminderungen eine Erwärmung zwischen RCP 8.5 und RCP 4.5 zu erwarten ist. Das bedeutet, dass dann Temperaturen fast ähnlich wie in Mittelitalien erreicht werden könnten!
Die folgende Grafik zeigt, was diese Entwicklung für die Baumarteneignung -je nach Klimaszenario RCP 2.6, 4.5 zw. 8.5 - in unserer Gegend bedeutet:

Quelle: LWF
Für die Waldbesitzer heißt dies, dass sie ihre Wälder langfristig auf solche Baumartenänderungen anpassen müssen, d.h. jetzt schon auf den Anbau von Baumarten mit schlechten Klimaprognosen zu verzichten und unsere relativ klimaresistenten heimischen Baumarten mit südlichen Herkünften und Baumarten zu ergänzen.
Umfassende Informationen zum Wald(um-)bau im Klimawandel finden sie auf dem Waldbesitzerportal des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter
https://www.waldbesitzer-portal.bayern.de/015004/index.php
Eine Baumarteneignungstabelle für unseren Wuchsbezirk finden sie unter
https://www.waldbesitzer-portal.bayern.de/292163/index.php
Interessant sind auch die Praxishilfen Klima-Boden-Baumartenwahl Band 1 und 2:
https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/service/dateien/praxishilfe_baumarten_bf.pdf
https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/wissenstransfer/bilder/praxishilfe_ii_klima_boden_baumartenwahl_bf.pdf
Es stehen umfangreiche Fördermittel zum Waldumbau für den einzelnen Waldbesitzer zur Verfügung, lassen sie sich von ihrem zuständigen Förster des AELF beraten!
Weiterentwicklung der Herkunftsempfehlungen für forstliches Vermehrungsgut in Bayern
Der fortschreitende Klimawandel mit höheren Temperaturen, Hitze- und Trockenperioden im Sommer in Kombination mit weiterhin möglichen Spätfrösten erfordert eine noch kritischere Prüfung, wo welche Baumarten und vor allem welche Herkünfte zum Anbau geeignet erscheinen und empfohlen werden können. Das Amt für Waldgenetik (AWG) hat vor diesem Hintergrund in den letzten Monaten die bisherigen Herkunftsempfehlungen für forstliches Vermehrungsgut (HKE) überarbeitet und gezielt weiterentwickelt. Bislang war die genetische Angepasstheit an die gegebenen Standorts- und Umweltbedingungen Basis dafür, lokales Forstvermehrungsgut aus demselben Herkunftsgebiet grundsätzlich für den Anbau zu empfehlen. Künftig muss allerdings zunehmend auch die genetische Anpassungsfähigkeit von Ausgangspopulationen bei der Entscheidung zur Anbauempfehlung berücksichtigt werden. Zum 1. Januar 2023 werden deshalb die bisherigen HKE durch neue „Herkunfts- und Verwendungsempfehlungen für Bayern (HuV)“ ersetzt.
Die Einhaltung der neuen HuV ist zum einen Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Mitteln im Rahmen des waldbaulichen Förderprogramms (WALDFÖPR). Zum anderen sind sie für die Bewirtschaftung des Staatswaldes, der Körperschaftswälder und der Wälder, die nach den Richtlinien von PEFC oder FSC zertifiziert sind, verbindlich.
Die wichtigsten Neuerungen in Kürze:
• Die Herkünfte werden künftig in folgende drei Gruppen eingestuft:
Bisher Bewährte Herkünfte: Für viele Herkunftsgebiete gilt noch das Primat der lokalen Herkunft, wenn sowohl das jetzige als auch das künftige Klima für den Anbau keine Probleme bereitet und die Herkünfte eine ausreichende Angepasstheit sowie hohe Anpassungsfähigkeit erwarten lassen.
Klimaplastische Herkünfte: Hier gilt das Prinzip, Herkünfte heimischer Baumarten aus wärmeren Herkunftsgebieten mit niedrigeren Sommerniederschlägen zu empfehlen, da sie voraussichtlich eine höhere Anpassungsfähigkeit an die zu erwartenden Umweltbedingungen haben.
Herkünfte für Praxisanbauversuche: Diese Gruppe enthält Vorschläge für Herkünfte, die sich nach aktueller Einschätzung in Zukunft zum Anbau in Praxisanbauversuchen (PAV) eignen könnten und erste Erkenntnisse gewonnen werden sollten. Dies sind zum einen alternative Herkünfte von heimischen oder bei uns bereits bewährten alternativen Baumarten. Zum anderen werden Herkünfte für weitere alternative Baumarten empfohlen.
• Bislang gab es Ersatzherkünfte, diese wurden bei weiterhin gegebener Eignung in die Stufen „Bisher Bewährt“ bzw. „klimaplastisch“ aufgenommen. Wurde die Anpassungsfähigkeit als niedrig eingeschätzt, sind diese nur noch mit einer zeitlichen Befristung empfohlen.
• Zusätzlich aufgenommen wurden seltene heimische Baumarten, die zukünftig beim Waldumbau stärker zu berücksichtigen sind und noch nicht dem Forstvermehrungsgutgesetz unterliegen. Dies betrifft zurzeit Elsbeere, Speierling, Flatterulme, Feldahorn und Eibe. Für diese Baumarten hat das AWG geeignete Erntebestände in Bayern identifiziert und in das Erntezulassungsregister (EZR) überführt. Da die Beerntung und Anzucht von Pflanzen aus den beschriebenen Beständen in den meisten Fällen erst mit den neuen HuV starten kann, wird es eine Übergangsfrist geben, bis die vom AWG abgegrenzten „heimischen Herkünfte“ für diese Baumarten als verbindlich erklärt werden.
Die Palette der zur Auswahl stehenden Herkünfte wurde mit den neuen HuV erweitert. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer erhalten also künftig deutlich mehr Handlungsspielraum Neues zu erproben, was allerdings auch mit gewissen Risiken verbunden sein kann. Eine verantwortungsbewusste Beratung durch die örtlich zuständigen Revierleiterinnen und Revierleiter ist deshalb sehr wichtig.
Detailierte Informationen finden sie in der Broschüre Herkunfts- und Verwendungsempfehlungen https://www.awg.bayern.de/mam/cms02/asp/bilder/huv_gesamtdatei_internet_2.pdf
Naturverjüngung
Wenn die Ausgangslage im Altbestand hinsichtlich Baumartenzusammensetzung und Qualität "passt", sollte eine Bestandesverjüngung mittels Naturverjüngung, eventuell mit einer Ergänzungspflanzung weiterer im Altbestand nicht vorhandener Baumarten, immer erste Wahl sein. Das spart Kosten und Arbeit und die Wurzelbildung ist besser als bei Pflanzungen. Wichtig ist die Analyse des Ausgangsbestands, die Zielvorstellungen des Waldbesitzers und dann die waldbauliche Behandlung und Nutzung des Waldbestandes. Das Merkblatt "Naturverjüngung - Potenzial für die Zukunft" der LWF gibt dazu wertvolle Hinweise und Anregungen. Interessant ist auch die dem Merkblatt beigelegte Bestimmungshilfe für Keimlinge und Sämlinge. Die sachgerechte Umsetzung der waldbaulichen Maßnahmen erfordert ein gewisses "Fingerspitzengefühl" und Erfahrung. Lassen sie sich von ihrem zuständigen Förster dazu beraten!

Voranbau von Mischbaumarten
Verjüngen sie ihren Wald rechtzeitig! Warten sie nicht, bis Wind oder Borkenkäfer ihre waldbaulichen Handlungen bestimmen und ihnen eventuell Kahlflächen mit all ihren Problemen wie Vergrasung oder Frostgefährdung bescheren. Besonders bei einer Ausgangslage eines sehr Fichten-reichen Waldbestands. Handeln sie selbst und beugen sie vor! Ein geeignetes Verfahren, um nadelholzreiche Altbestände in standortsangepasste Mischbestände zu verjüngen, ist der Voranbau von Mischbaumarten unter dem Schirm des Altholzes. Lesen sie Näheres im LWF Merkblatt Nr. 26.
Der Voranbau ist ein anspruchsvolles Verjüngungsverfahren. Ihre Förster beraten und helfen ihnen dabei, es besteht auch die Möglichkeit einer staatlichen finanziellen Förderung.
Sorgfalt entscheidet über Pflanzerfolg
Planst du für ein Jahr, so säe Korn.
Planst du für ein Jahrtausend, so pflanze Bäume.
Kuan-tzu (300 v.Chr.)
Pflanzung ist in vielen Fällen erforderlich, um einen stabilen und ertragreichen Wald zu begründen. Stabil werden gepflanzte Bäume aber nur mit einem großen, weit in die Tiefe reichenden Wurzelwerk. Bei unsachgemäßer Pflanzung werden die Tiefenwurzeln so stark verformt, dass sie nur sehr oberflächlich wachsen und dadurch die Erschließung des Wurzelraums nur eingeschränkt möglich ist.
Informationen zur Kulturbegründung finden sie im Wegweiser Kulturbegründung und Jungwuchspflege.
Hinweise für eine sorgfältige, wurzelgerechte Pflanzung als Voraussetzung für die Stabilität gepflanzter Bäume finden sie in dem LWF - Merkblatt "Auf die Wurzeln kommt es an".
Im LWF Merkblatt "Qualitätssicherung bei Kulturmaßnahmen" finden sie Wissenswertes zur Vorbereitung von Kulturmaßnahmen, Pflanzenqualität, Pflanzenübernahme und Wurzelschnitt sowie zur Nachsorge für eine erfolgreiche Kulturbegründung.
Empfehlungen für die Pflanzung von Wildlingen (Pflanzen aus Naturverjüngungen) gibt das Merkblatt "Wildlinge - richtig eingesetzt".
Falls sie nicht selbst pflanzen wollen, vermittelt ihnen die WBV oder ihr Förster vom AELF gerne Pflanzunternehmer.
Wer Bäume pflanzt, wird den Himmel gewinnen.
Konfuzius
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