Totes Holz - Lebendiger Wald
Was versteht man unter "Totholz" ?
Stehende und liegende, abgestorbene, verrottende, dürre Stämme, Stammteile und Äste, lebende Bäume mit Totholzanteilen (Astlöcher, dürre Äste)
Welche Bedeutung hat Totholz im Wald?
Im vom Menschen unberührten Wald ist der Anteil an abgestorbenem Holz sehr hoch. Infolge von Holznutzungen sinkt der Anteil an totem Holz bis nahezu null bei sehr "aufgeräumten" Wäldern. Auch der Anteil sehr alter und dicker Bäume ist in bewirtschafteten Wäldern weitaus geringer als in unberührten Wäldern, da die Bäume aus wirtschaftlichen Gründen weit vor ihrem natürlichen Alter genutzt werden.
Viele Tier- und Pflanzenarten des Waldes sind auf totes Holz und alte Bäume angewiesen, als Wohn- und Aufzuchtraum oder als Nahrungsgrundlage, ohne totes Holz oder alte Bäume haben diese Arten keine Überlebenschance, viele sind vom Aussterben bedroht. Nur wenn wir als Waldnutzer auch totem Holz und alten Bäumen eine Daseinsberechtigung zukommen lassen, sichern wir diesen Arten ihren Lebensraum und erhöhen somit die Vielfalt und Schönheit unserer Wälder.
Welche Tier- und Pflanzenarten sind besonders auf Totholz und alte Bäume angewiesen?
Zum Beispiel Spechte (schaffen Baumhöhlen für andere höhlenbrütende Vögel wie Kleiber und Meisen, Fledermäuse, Bienen etc., ohne Spechthöhlen würde für diese Arten eine akute Wohnungsnot herrschen), viele Pilzarten, Fledermäuse, Waldkauz, Nester von Zaunkönig und Rotkehlchen in Reisighaufen, eine Vielzahl von Käfern und anderen Insekten, Ameisen und viele mehr; insgesamt sind 25 % aller Waldtierarten auf Totholz angewiesen.
Wieviele tote Bäume sollten im Wald verbleiben?
Optimal wären mind. 5 – 10 Bäume oder 5 – 10 fm pro Hektar, aber auch weniger ist besser als gar nichts.
Wo schafft Totholz Probleme?
Stehende abgestorbene Bäume oder abgestorbene Äste in der Baumkrone können eine nicht zu unterschätzende Gefahr bei Waldarbeiten darstellen. Der im Wald arbeitende Waldbesitzer oder Unternehmer muß daher die Gefahrensituation jeweils beurteilen und gegebenenfalls die Gefahrenquelle beseitigen. In jedem Fall gilt bei allen Forstarbeiten: Sicherheit geht vor Erhalt des Totholzes!
An Wegen und bes. Einrichtungen im Wald sollte aufgrund der Verkehrssicherungs- pflicht des Waldeigentümers Totholz beseitigt werden, im Inneren des Waldes gehört Totholz zum Wesen des Waldes, den Waldeigentümer trifft keine Verkehrs- sicherungspflicht, der Waldbesucher betritt den Wald auf eigene Gefahr.
Beherbergt Totholz Waldschädlinge?
Nein, nur abgebrochene oder umgefallene, noch frische Fichten sollten wegen Borkenkäfergefahr beseitigt werden. Auch dürre Fichten sind keine Gefahr mehr wegen Borkenkäfer.
Waldnutzung und Waldbewirtschaftung selbstverständlich, aber mit Rücksichtnahme auf die Artenvielfalt der Lebewesen im Wald, auch mal Mut zum Stehenlassen eines "nutzlosen" dürren Baums oder einem Baum durch Nutzungsverzicht die Möglichkeit geben, sein natürliches Alter zu erreichen ("Generationenbaum") !! Die Schönheit des Waldes wird es belohnen!
Weitere Informationen finden sie hier und im LWF - Merkblatt 17 "Biotopbäume und Totholz - Vielfalt im Wald". und im LWF-Merkblatt 42 "Mulmhöhlen"
Maßnahmen zum Belassen von Biotopbäumen und Totholz werden über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNPWald) vom Freistaat Bayern gefördert. näheres dazu auf dieser Homepage unter AELF Regensburg-Schwandorf - Förderung.
Alte Bäume
Im Grunde sind es ja gar nicht wir, die den Baum schützen: Er ist es, der uns seinen Schutz gewährt. Wir dürfen bei ihm eintreten. die alte Eiche, die alte Linde, die alte Esche, die wir ehren, ist ein Sinnbild, das nicht nur den Lebens-, sondern auch den Weltenbaum vertritt. Indem wir sie nicht anzutasten wagen, bezeugen wir,dass Unantastbares geehrt wird und besteht. Das gibt dann auch unserer unserer Welt- und Lebensordnung Sinn und Gerechtigkeit. Daher mussten früher, bevor ein Baum gefällt wurde, Opfer gebracht werden.
Ernst Jünger
Bäume sind die höchsten, größten und ältesten Lebewesen dieser Welt. Schon immer zeigten sich die Menschen von alten, starken Bäumen in ihrer Umgebung beeindruckt, den alten Griechen, Römern und Kelten galten Bäume und Wälder als heilig und verehrungswürdig.
Unsere Baumarten können je nach Art unterschiedlich alt werden, Linden, Eichen und Eiben bis zu 1000 Jahren, Buchen, Kiefern und Fichten bis zu 4-500 Jahren. Auch wenn einige unserer einheimischen Bäume ein außergewöhnlich hohes Alter erreichen, so sind sie doch früher oder später dem natürlichen Absterben ausgesetzt. Aber auch dieses Sterben kann jahrzehntelang andauern. Von der Linde sagt man: "300 Jahre kommt sie, 300 Jahre bleibt sie, 300 Jahre vergeht sie."
Zur Bewirtschaftung des Waldes gehört es auch, einige Bäume bis zu ihrem natürlichen Zerfall stehen zu lassen. Wir können sie als "Generationenbäume" an unsere Nachkommen vererben und tragen dadurch zur Schönheit und Vielfalt unserer Wälder bei.
Zum Download: Alte Bäume - Zeitzeugen in Bayerns Wäldern 
Ein alter Baum wird immer seltener, und man wird alte Bäume
bald besichtigen gehen wie heute irgendeine alte Kapelle.
Claude Goretta
Vogelschutz im Wald
Wälder sind in Mitteleuropa die Ökosysteme mit den meisten Vogelarten. Von 254 in Deutschland regelmäßig bestätigten Brutvogelarten sind 105 an Wälder gebunden. Mit der bundesweit größten Waldfläche trägt Bayern für die hier typische Vogelwelt eine besondere Verantwortung.
Was Waldbesitzer für unsere Vögel im Wald tun können finden sie im LWF Merkblatt Vogelschutz im Wald.
Fledermausschutz im Wald
In Bayern leben 22 Fledermausarten, davon sind etwa zwei Drittel eng an den Wald
gebunden. Für diese einzigartigen und bedrohten Säugetiere stellen unsere
heimischen Wälder einen unverzichtbaren Lebensraum dar. Hier finden sie ein
ergiebiges Nahrungsangebot und eine Vielzahl an Quartieren. Doch nicht jeder
Wald bietet die notwendigen Strukturen für das Überleben dieser Arten. Mit
wenigen und einfachen Maßnahmen können wir bei der Waldbewirtschaftung auf die
Fledermauspopulationen Rücksicht nehmen und deren Vorkommen gezielt erhalten
und fördern. Informationen dazu liefert das LWF Merkblatt Fledermausschutz im
Wald.
Amphibienschutz im Wald
Von den 19 in Bayern heimischen Amphibienarten verbringt ein Großteil die meiste Zeit an Land. Zur Fortpflanzung sind – mit Ausnahme des Alpensalamanders – jedoch alle Arten auf geeignete Laichgewässer angewiesen. Von acht Lurcharten liegt der größte Teil der Fundorte im Wald oder am Waldrand. Der Wald übernimmt hier eine wichtige Rolle als Lebensraum. Die Forstwirtschaft kann durch gezielte Erhaltungs- und Pflegemaßnahmen entsprechender Waldgewässer und Landlebensräume einen aktiven Beitrag zum Amphibienschutz leisten.
Was Waldbesitzer für den Schutz unserer Amphibien im Wald tun können finden sie im LWF Merkblatt Amphibienschutz im Wald.
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